STORY über Teddy Stauffer 1909 bis 1991

Teddy Stauffer
(2.5.1909 bis 27.8.1991)

Wer kannte ihn nicht, den erfolgreichsten
Band-Leader der Schweiz der 30er und 40er Jahre
der auch « Mister Accapulco» genannt wurde.

CD 9522002 Teddy Stauffer’s Original Teddies Vol. 1
CD 9522003 Teddy Stauffer’s Original Teddies Vol. 2
CD 9522009 Teddy Stauffer’s Original Teddies Vol. 3

Wer zählt die Bands, nennt die Namen, die vor dem Kriege in Europa Rang und Klang hatten? Im weiten Feld der tanzbaren Swingmusik und der swingenden Tanzmusik konnten die europäischen «Jazz-Länder» (zu denen auch Deutschland gehörte) mit einem Angebot aufwarten, das - zumindest rein zahlenmässig - mit den Vereinigten Staaten konkurrieren konnte. Legt man jedoch den hohen Qualitätsstandard der stilbildenden amerikanischen Bands an, dann wird dieser Vergleich natürlich problematisch. (Allerdings sollte man nicht vergessen, dass auch viele US-Bands musikalisch nur von Vorbildern lebten). Leider gehört dieses Kapitel des europäischen Swing in Deutschland zur «unbewältigten Jazz-Vergangenheit».
Im Zeitalter des «Kunst-Jazz» ist man allzu schnell bereit, diese Aera als «kommerziell» abzutun. Frage: Muss kommerzielle Swingmusik schlecht sein?

Im Deutschland der 30er Jahre waren die «Original-Teddies» des Saxophonisten und Geigers Teddy Stauffer eine der führenden Big Bands. Zahlreiche Plattenaufnahmen, Rundfunkübertragungen, Engagements in führenden deutschen «Tanzpalästen» und ähnlichen Etablissements, sowie erfolgreiche Auslands-Gastspiele (bis nach London) verhalfen der Band zu einer ausserordentlichen Popularität. Dabei hatte Teddy Stauffer ganz bescheiden begonnen: 1909 in der Schweiz geboren, beschäftigte er sich schon in der Schule mit dem Saxophon, gründete eine Amateurband und tauchte 1928 mit drei Freunden in Berlin auf. Das erste Engagement erhielten die «Teddies», wie sie sich damals schon nannten, als «Caféhaus-Kapelle»" nach Gleiwitz. Aus diesem Quartett entwickelte sich im Laufe der Jahre die Big Band, die - mit wechselnden Besetzungen - hervorragende deutsche Musiker beschäftigte. Das Repertoire enthielt die aktuellen amerikanischen Swing-Hits, und den Musikern merkte man es an, dass sie mehr auf «Rosalie» als auf «Erika» standen.

1939, als Ernst Höllerhagen zu Stauffer kam, reiste das Orchester in die Schweiz, um zur Eröffnung der grossen Landesausstellung zu spielen. Ursprünglich war die Big Band von Jimmie Lunceford dafür vorgesehen gewesen, aber Lunceford hatte im Hinblick auf die drohende Kriegsgefahr abgesagt. In Deutschland hielt sich damals hartnäckig das Gerücht, die Stauffer-Band wäre ausgewiesen worden, weil sie die geheiligte nazistische Nationalhymne «verjazzt» habe. Es ist immerhin bemerkenswert, dass die deutschen Swing-Fans, die durchaus in Opposition zum 1000jährigen Reich standen, den «Original-Teddies» so etwas zutrauten,

Die Band war im Heimatland ihres Chefs durch verschiedene Gastspiele bestens bekannt. Bis 1941 - als Teddy Stauffer nach Amerika ging - bestanden diese «Original-Teddies», und aus dieser Zeit (1940/ 41) stammen die vorliegenden Plattenaufnahmen für «Elite-Spezial». In der Band spielten auch eine ganze Anzahl Schweizer Musiker mit, zum Beispiel Buddy Bertinat, der die meisten Arrangements schrieb.
Auch Ernst Höllerhagen war dabei geblieben, einer der wichtigsten und besten deutschen Swingmusiker. 1912 in Barmen geboren, begann er schon als Kind mit dem Geigenspiel, trat als 13jähriger in einem Kino-Orchester auf und wurde als musikalischer «Wunderknabe» gefeiert. 1930 begann er als Saxophonist und Klarinettist seine Karriere als Berufsmusiker bei Sam Wooding (einem amerikanischen Bandleader) und spielte später unter anderem bei Juan Llossas, lack Hylton, Marek Weber und lohn Ouwerx. Aus dieser Zeit resultiert seine langjährige Freundschaft mit Eddie Brunner, der nach dem Ausscheiden von Teddy Stauffer versuchte, die Band weiterzuführen, Wenngleich es damals in Deutschland auch noch keine organisierten Jazz-Clubs und Jazz-Potts gab, so galt «Ernie» Höllerhagen doch schon 1932 als «bester deutscher Saxophonist». Sein Vorbild als Klarinettist war Benny Goodman. Als wichtigste Begegnung mit einem Musiker bezeichnete Höllerhagen die kurze Zusammenarbeit mit Coleman Hawkins 1936 in der Schweiz, der wir auch einige Plattenaufnahmen verdanken. «Ernie» überlebte den Krieg in der Schweiz, schloss sich 1947 der Band von Hazy Osterwald an und wurde durch mehrere Gastspielreisen, durch Film, Fernsehen und Plattenaufnahmen noch einmal in Europa populär. Leider starb er bereits 1956. (CD 9522001 Ernst Höllerhagen 1942 – 1948 – 44 x Ernst Höllerhagen and his Bands)

In der Schweiz hatten die «Original-Teddies» natürlich keine Schwierigkeiten, Kompositionen wie «In The Mood», «Stop, It's Wonderful» und den «Boogie-Woogie-Bugle Boy» aufzunehmen. Auch diese «Elite»-Aufnahmen waren damals aktuell, denn zu dieser Zeit hielten die Titel in den amerikanischen «Hit-Parades» beachtliche Plätze. Jazz-Standards wie «Avalon», «Tiger Rag» und der «Bugle Call Rag» ergänzten das Repertoire, das im übrigen nicht nur «hot», sondern auch «sweet» war (einschliesslich Original Schwyzer Jodler). Hier interessieren selbstverständlich nur die Swing-Aufnahmen. Alles in allem zeigen die vorliegenden Aufnahmen die ganze Vielseitigkeit der Band, ihre solistischen Qualitäten und ihre Spielfreude. Teddy Stauffer selbst hatte nach 1941 in Amerika ein wildbewegtes, «filmreifes» Leben als Benzinschmuggler, Schwarzhändler, Hotelbesitzer, Ehemann von Hedy Lamare und sogenannter «ständiger Begleiter» von Hollywood-Schönheiten. Vor einiger Zeit wurden für das deutsche Fernsehen noch einmal einige der «Teddies» zusammen mit Stauffer gezeigt. Allerdings soll das «Wiedersehen» erfreulicher als das «Wiederhören» gewesen sein. Dafür bieten sich nun diese Wiederveröffentlichungen an, als musikalische Erinnerung an eine Zeit, in der in Deutschland das «Swingtanzen» von Staats wegen verboten war, in der Benny Goodman als «Rattenfänger von New York» diskriminiert wurde und in der es paradoxerweise so viel akzeptable Swingmusik zu hören gab, wie nie davor und leider nie mehr danach.







Für CD Bestellungen siehe Artikel auf CD 9522002, 9522003, 9522009
  


 
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